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Einen wichtigen Teil meiner Kindheit verbrachte ich im Pitztal. Spielplätze waren der Wald, das Ufer der Pitze (streng verboten), und die großen Steinbrocken, die überall herumlagen, und auf die man klettern, oder hinter denen man sich verstecken konnte. Manchmal rückten wir mit Steinen oder ausgemustertem Werkzeug verwunschenen Felsen zu Leibe, um den Schatz zu finden, der in ihnen verborgen sein mußte. Das gelang leider nie, aber wir waren ohnehin schon stolz, wenn es uns gelang, Glimmerplättchen abzusprengen, oder auf einer Quarzader Funken zu schlagen.
Viele Jahre später half ich in Wien bei der Räumung einer aufgelassenen Volksschule, die in Zukunft dem Bildhauer Hans Muhr als Atelier dienen sollte. Ein Steinmetz arbeitete gerade an einem Stück Muschelkalk. Ich hörte den Aufschlag des Fäustels auf dem Meissel, das Sirren der wegspritzenden Steinsplitter, ich roch den Steinstaub und sah, wie der Stein langsam Form annahm. Das faszinierte mich so sehr, daß ich sofort bei Muhr als Helfer anheuerte. Er beschäftigte damals Bildhauer aus der ganzen Welt, und von diesen konnte ich lernen, wie man mit Ideen, Werkzeug und Material umgeht. Und wie man mit der Härte und Zähigkeit arbeiten kann, mit der sich der Stein dem Wollen des Menschen widersetzt.
Seit 1982 bin ich freischaffender Bildhauer, und immer noch sind mir jene Wochen besonders wertvoll, während derer ich mich in Symposien mit Künstlerkollegen austauschen kann. Ich arbeite auch gern mit anderen Materialien, aber die Bearbeitung von Stein bleibt meine bevorzugte Herausforderung.
Stein ist und bleibt ein sinnliches Erlebnis.
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